Die Jugendstil-Kuppel der Galeries Lafayette Haussmann
Mitten im Opéra-Viertel ergießt eine gewaltige Glaskuppel ihr farbiges Licht über die Verkaufsflächen des großen Kaufhauses. Die 1912 eingeweihte Kuppel der Galeries Lafayette Haussmann zählt bis heute zu den atemberaubendsten Jugendstil-Meisterwerken von Paris. So lesen, bewundern und erleben Sie sie bis hinauf auf das Dach.
Eine Glaskuppel von 1912 über dem Boulevard Haussmann
Als die Galeries Lafayette 1912 ihr Stammhaus am Boulevard Haussmann eröffneten, entwarf der Architekt Ferdinand Chanut gemeinsam mit dem Glaskünstler Jacques Grüber eine Kuppel, die das Tageslicht tief ins Gebäude leiten sollte. In einer Zeit, in der die elektrische Beleuchtung noch in den Kinderschuhen steckte, war dieses Glasdach weit mehr als Zierde: Es durchflutete die um das zentrale Atrium angeordneten Galerien mit natürlichem Licht.
Rund dreißig Meter über dem Erdgeschoss entfaltet sich die Kuppel wie ein Himmel aus bernsteinfarbenem, blauem und goldenem Glas. Ihre neobyzantinische Silhouette aus Bögen und Pendentifs erinnert ebenso an die Basiliken des Ostens wie an die Ausstellungspaläste, die Paris einige Jahre zuvor auf den Weltausstellungen geprägt hatten.
Das Kaufhaus wurde als Theater des Konsums gedacht, als Ort zum Flanieren ebenso wie zum Einkaufen. Die Kuppel ist der Höhepunkt der Inszenierung, ein schwebendes Gewölbe, das Pariser wie Reisende mit zurückgelegtem Kopf bestaunen, so wie man das Gewölbe einer Kathedrale betrachtet.
Buntglas auf Stahlgerüst: eine technische Meisterleistung
Die Kuppel vereint zwei Welten: die Leichtigkeit des farbigen Glases und die Kraft des industriellen Stahls. Die ganze Revolution des großen Kaufhauses beruht auf dieser Beherrschung der Metallkonstruktion, die von den Markthallen und den großen Pariser Bahnhöfen wie Saint-Lazare oder dem Gare du Nord übernommen wurde. Hier bildet das Stahlgerüst ein feines Netz, das fast hinter den Farben verschwindet.
Das Glas selbst ist mit floralen Motiven, Ranken und Arabesken gestaltet, wie sie für den Jugendstil typisch sind, jene Bewegung, die um 1900 Kunst und Industrie versöhnen wollte. Warme Töne herrschen vor, sodass das an sonnigen Nachmittagen auf den Boden fallende Licht einen goldbraunen Schimmer annimmt, der sich im Lauf des Tages ständig verändert.
Schmiedeeisen: die Seele des Stils um 1900
Man versteht die Kuppel nicht, ohne den Blick auf die Balustraden und Geländer zu richten, die sie umgeben. Die Balkone schwingen in Voluten aus Schmiedeeisen, in derselben floralen Sprache, die man an Hector Guimards Métro-Eingängen findet, einem weiteren Markenzeichen des Pariser Jugendstils. Jedes Geländer ist ein Werk der Kunstschmiede, in dem die geschwungene Linie über den rechten Winkel siegt.
Dieser Dialog zwischen Glas und Metall erzählt vom Können der Werkstätten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, als das Schmiedeeisen eine eigenständige Kunst war. Wer sich für dieses Erbe begeistert, kann seinen Blick auf dieses Kunstschmiede-Handwerk richten, das bis heute in den Händen der Handwerker weiterlebt, die diese Gesten bewahren.
Vom monumentalen Treppengeländer bis zu den Details der Leuchten strebt alles nach Einheit: Das Kaufhaus ist keine bloße Aneinanderreihung von Abteilungen, sondern ein Gesamtkunstwerk, in dem Architektur, Licht und Metall einander antworten.
Die kostenlose Dachterrasse: Paris und die Oper zu Füßen
Nach der Kuppel geht es hinauf auf die Dachterrasse, deren Besuch kostenlos ist. Von dieser Plattform reicht der Blick über weite Teile von Paris: das grün patinierte Kupferdach und die vergoldeten Statuen der Opéra Garnier von Charles Garnier gleich nebenan, der Eiffelturm am Horizont, Sacré-Cœur auf dem Montmartre und die endlose Flucht der Haussmann-Dächer.
Die Terrasse ist einer der großzügigsten und zugleich am wenigsten bekannten Aussichtspunkte des Viertels. Bei Sonnenuntergang, wenn die Lichter der Stadt angehen, bietet sie ein Schauspiel, das nur wenige Pariser Aussichtsplätze erreichen, ganz ohne Ticket und ohne Schlange.
Prüfen Sie die Öffnungszeiten in Echtzeit, bevor Sie hinaufsteigen, denn sie hängen von der Saison und den Veranstaltungen des Hauses ab. Bei schlechtem Wetter kann die Terrasse vorübergehend geschlossen sein.
Den Spaziergang durch das Opéra-Viertel verlängern
Die Kuppel ist nur das Tor zu einem außergewöhnlich reichen Viertel. Ganz in der Nähe zeigt die Opéra Garnier ihre große Treppe und die 1964 von Marc Chagall gemalte Decke, einen Farbwirbel über dem Zuschauerraum. Das Musée Grévin, die Grands Boulevards und ihre überdachten Passagen runden einen Spaziergang durch das Paris der Belle Époque ab.
Wer Eleganz sucht, erreicht die Place Vendôme mit ihren Juwelieren in wenigen Gehminuten, während die Bahnhöfe Saint-Lazare und Gare du Nord das Viertel bequem mit dem übrigen Frankreich und Europa verbinden. Die Métro erschließt die Opéra über die Linien 3, 7, 8 und 9 und macht sie zum idealen Ausgangspunkt, um die Hauptstadt zu erkunden.
Praktische Tipps für den Kuppelbesuch
Der beste Moment für die Glaskuppel ist der Vormittag an einem sonnigen Tag, wenn das Licht frontal auf das Buntglas trifft und seine Farben bis auf den Boden der großen Halle wirft. Am späten Nachmittag werden die Töne weicher und goldener, ideal für Fotos. Meiden Sie nach Möglichkeit die stark besuchten Samstage, an denen das Gedränge die ruhige Betrachtung erschwert.
Der Zutritt zum Kaufhaus und zur Kuppel ist frei und ohne Ticket, ebenso der Aufstieg auf die Dachterrasse. Um die Kuppel als Ganzes zu erfassen, stellen Sie sich in die Mitte der Halle unter den Lichtschacht und steigen dann ein oder zwei Etagen hinauf, um sie auf Höhe der Balkone zu sehen und die Schmiedearbeiten im Detail zu bewundern.
Planen Sie eine gute Stunde ein, um Glaskuppel, Panoramaterrasse und einen Bummel durch die Abteilungen zu verbinden. Das Viertel lässt sich bequem zu Fuß erkunden, und nichts hindert Sie daran, anschließend zur nahen Opéra Garnier weiterzugehen und den ganzen Vormittag dem Paris der Belle Époque zu widmen.