Gut essen rund um die Opéra und die Grands Boulevards
Das Opernviertel vereint eine seltene Dichte an Lokalen, vom Bistrotresen bis zur großen Brasserie. Man muss nur wissen, wo man suchen soll, um Touristenfallen zu meiden. Hier ein ehrlicher Überblick über die Stile, die Straßen und die richtigen Reflexe, wenn man im Viertel wohnt.
Ein Viertel, viele Küchen
Rund um die Opéra Garnier deckt das gastronomische Angebot fast jedes Register ab. Die Pariser Brasserie mit ihren Sitzbänken, ihren Kellnern mit Schürze und ihren Meeresfrüchteplatten bleibt das sinnbildliche Erlebnis des Viertels. Das Bistro, kleiner und familiärer, bietet Marktküche und herzhafte Klassiker: Blanquette, geschmorte Rinderbacke, die Tarte des Tages. Oft sind das die besten Adressen für ein einfaches, ehrliches Essen zu vernünftigem Preis.
Das Viertel hat auch ambitioniertere Tische, an denen junge Köche kurze Menüs und saisonale Küche zubereiten. Man findet sie selten an den belebtesten Durchgangsstraßen, sondern eher in den ruhigeren Nebenstraßen. Für ein denkwürdiges Abendessen lohnt es sich, im Voraus zu reservieren und ein höheres Budget in Kauf zu nehmen, im Gegenzug für sorgfältige Küche und aufmerksamen Service.
Schließlich ist das Viertel für seine Weltküchen bekannt. Die Straßen rund um die Rue Sainte-Anne, nur wenige Schritte von der Opéra entfernt, bilden das historische Herz der japanischen und koreanischen Gastronomie in Paris: Man steht Schlange vor den Ramen-Theken und Nudelkantinen. Etwas weiter nördlich, Richtung Faubourg Montmartre, reihen sich italienische, libanesische und nordafrikanische Tische aneinander.
Straßen, die sich lohnen
Statt sich auf die auffälligsten Terrassen zu verlassen, lernen Sie die kulinarische Geografie des Viertels kennen. Die Rue Sainte-Anne und ihre Nebengassen beherbergen die dichteste Ansammlung japanischer Restaurants der Stadt, mittags oft zu sanften Preisen. Das ist die Adresse für ein schnelles, schmackhaftes Mittagessen zwischen zwei Besichtigungen.
Für Bistros und kleine Viertelkneipen halten Sie sich an die Straßen hinter den Grands Boulevards, rund um den Faubourg Montmartre, die Rue des Martyrs oder das Viertel um die Bourse. Man entfernt sich vom Touristenstrom und gewinnt an Authentizität. Die historischen Brasserien wiederum säumen die Boulevards selbst und die Zugänge zur Place de l'Opéra.
Ein guter Reflex ist es, fünf Minuten weiterzugehen. Die Straßen unmittelbar um die Kaufhäuser und die Place de l'Opéra beherbergen die touristischsten Lokale; ein oder zwei Straßen weiter finden Sie oft bessere Küche und fairere Preise, besucht von den Parisern, die im Viertel arbeiten.
Eine gute Adresse erkennen
Ein paar Zeichen trügen selten. Eine kurze, regelmäßig wechselnde Karte deutet auf frische, vor Ort zubereitete Küche hin, während eine riesige, in acht Sprachen übersetzte und mit Fotos bebilderte Karte auf dem Gehsteig zur Vorsicht mahnen sollte. Ebenso ist eine handgeschriebene Tafel mit dem Tagesgericht meist ein gutes Zeichen.
Beobachten Sie die Gäste. Ein Saal voller Einheimischer zur Mittagszeit unter der Woche ist jede Empfehlung wert. Hüten Sie sich hingegen vor Anwerbern, die Sie auf dem Gehsteig ansprechen, um Sie hineinzulocken: Gute Tische haben das nicht nötig. Eine durchdachte Weinkarte und Personal, das seine Gerichte kennt, sind weitere beruhigende Hinweise.
Nehmen Sie sich schließlich die Zeit, die Herkunft der Produkte zu lesen, wenn sie angegeben ist, und auf Hinweise auf hausgemachte Küche zu achten. Im Zweifel sind eine vom Saal aus sichtbare Küche, großzügige, aber nicht überdimensionierte Portionen und eine klare Rechnung ohne Überraschungszuschläge die Kennzeichen eines seriösen Hauses.
Wann reservieren, wann einfach kommen
Für ein Mittagessen unter der Woche in einem Bistro oder einer japanischen Kantine ist Reservieren im Allgemeinen nicht nötig: Kommen Sie einfach früh, gegen Mittag, bevor die nahen Büros den Saal füllen. Bei den beliebtesten Theken sollten Sie dennoch etwas Wartezeit einplanen, die sich meist lohnt.
Für ein Abendessen in einer großen Brasserie oder an einem Gourmettisch ist eine Reservierung dagegen dringend zu empfehlen, besonders freitags und samstags abends und erst recht an Abenden mit Vorstellung in der Opéra oder in den Theatern der Grands Boulevards. Die Säle füllen sich dann mit Gästen, die vor oder nach der Aufführung speisen.
Wenn Sie im Viertel wohnen, nutzen Sie die Gelegenheit, früh oder spät zu essen: zwischen 19 und 19.30 Uhr oder nach 21.30 Uhr sind die Säle ruhiger und der Empfang entspannter. Fragen Sie auch an der Rezeption Ihrer Unterkunft nach Rat, die oft die diskreten guten Tische der Nachbarstraßen kennt.
Fallen nahe den Kaufhäusern meiden
Die unmittelbare Umgebung der Kaufhäuser am Boulevard Haussmann und der Place de l'Opéra zieht starken Touristenverkehr an und damit einen Anteil an Lokalen, die auf Laufkundschaft ausgelegt sind: standardisierte Karten, aufgewärmte Gerichte, gesalzene Rechnungen für mittelmäßige Qualität. Das ist kein Schicksal, aber Wachsamkeit ist geboten.
Meiden Sie Karten mit verlockenden Fotos im Schaufenster und Angebote, die zu schön sind, um wahr zu sein. Prüfen Sie, ob die Getränkepreise und ein etwaiges Gedeck klar angegeben sind, und lesen Sie die ganze Karte, bevor Sie sich setzen. Ein Kaffee oder ein einfaches Getränk auf einer belebten Boulevardterrasse kostet immer mehr als ein paar Straßen weiter.
Der beste Schutz bleibt das Gehen. Die Dachterrassen der Kaufhäuser bieten einen herrlichen Blick und eine angenehme Pause, doch für eine richtige Mahlzeit entfernen Sie sich von den belebtesten Einkaufsstraßen hin zu den Wohnstraßen des 9. Arrondissements, wo Preis und Qualität ein faireres Gleichgewicht finden.
Tipps für Reisende, die im Viertel wohnen
Im Opernviertel zu wohnen ist ein kulinarischer Vorteil: Sie können Ihre Einkäufe abstellen und dann zu Fuß zum Abendessen aufbrechen, ohne auf die Métro angewiesen zu sein. Nutzen Sie diese Freiheit, um im Lauf des Aufenthalts die Stile zu wechseln: ein japanisches Mittagessen in der Rue Sainte-Anne, ein Brasserie-Dinner auf den Boulevards, ein Bistro-Mittagessen in einer ruhigen Straße.
Stellen Sie sich auf den Pariser Rhythmus ein. Das Mittagessen wird meist zwischen 12 und 14 Uhr serviert, das Abendessen ab 19.30 oder 20 Uhr; außerhalb dieser Zeiten schließen viele Küchen. Brasserien, flexibler, servieren oft durchgehend, was sie zu einer wertvollen Zuflucht für ein spätes Essen nach einer Vorstellung macht.
Bleiben Sie schließlich offen und neugierig. Das Viertel belohnt jene, die eine Straße weitergehen, eine diskrete Tür aufstoßen oder Einheimische um Rat fragen. Oft verbergen sich in diesen bescheidenen Adressen, fern der auffälligsten Schaufenster, die schönsten kulinarischen Erinnerungen eines Paris-Aufenthalts.